Logfile Analyse oder Tagging?

the internet is not a cable but a network

Für die Webanalyse kommen im Wesentlichen zwei Messmethoden zum Einsatz:

  • Messung nahe beim Client (Tagging)
  • Messung nahe beim Server (Logfile Analyse)

Um diese zu veranschaulichen sehen wir uns an, wie normalerweise ein Seitenaufruf im Internet funktioniert.

ein Browser sendet einen Request zum Server und erhält die Antowrt

  1. Ein Benutzer wählt eine URL indem er diese eintippt, einen Link oder ein Bookmark klickt.
  2. Der Client (Browser) ruft diese URL über das Internet auf und wartet auf Antwort
  3. Der Client erhält über das Internet eine Antwort eines Servers
  4. Browser lädt weitere benötigte Daten über das Internet nach
  5. Der Browser stellt die Seite grafisch dar.

Man sollte vermuten, dass der Client genau die Daten erhält, die der Server sendet. Daher sollte eine Analyse des Server Logfiles genauso präzise sein, wie eine Messung im/am Client.

Leider stimmt das nicht immer, denn das ‚Internet‘ ist keine einfache ‚Leitung‘ von einem Ort zum anderen. Hinter dem Begriff  ‚das Internet‘ verstecken sich sehr viele Geräte, die die ‚Verbindung‘ und die übermittelten Daten beeinflussen. Jeder Aufruf einer Seite über das Internet geht über sehr viele Zwischenstationen zum Ziel.

the internet is not a cable but a network

Es gibt daher keine einheitliche Sichtweise auf ablaufende Prozesse. Je nach Standort unterscheidet sich der Blick auf die ‚Wirklichkeit‘. Weder sieht ein Server alle Requests, die von Clients abgesetzt werden, noch kann jeder Client zuverlässig sagen welche Daten insgesamt von einem bestimmten Server abgerufen werden.

Auf einen Server greifen nicht nur menschliche ‚Besucher‘ zu, sondern auch sehr viele maschinelle Benutzer. (Robots und Spiders) Diese Zugriffe sind in den Server-Logfiles enthalten. Requests von Nutzern hinter einem Proxy sind dagegen nur eingeschränkt sichtbar für den Server.

Erfolgt die Messung am Client so erfolgt diese meist mit der sogenannten Tagging Methode. Dabei wird im Browser des Benutzers per JavaScript ein Request an einen Tracking Server gesendet. Robots und Spiders spielen bei dieser Messung praktisch keine Rolle. Unterschiedliche Benutzer bzw. Browser werden dabei durch Cookies und nicht anhand der IP unterschieden, so dass auch Benutzer hinter Proxies gut unterschieden werden können.

Vorteile der Logfile Analyse:

  • Alles was den Webserver betrifft kann gut ermittelt werden
  • Keine Änderungen an der Website nötig
  • Benötigt keinen Tracking Server

Vorteile der Tagging Methode:

  • Alles was die Benutzer betrifft kann gut ermittelt werden.
  • Es können wesentlich mehr Daten erfasst werden (Umsätze, Warenkörbe, Ziele, …)
  • Tagging kann sehr einfach über Domains, Server und andere Systemgrenzen hinweg eingesetzt werden.
  • Läuft im Client und erzeugt damit keine Last auf dem Weberver
  • Erhebt auch Daten von Nutzern hinter Proxies

Welche der Methoden sollten Sie wählen? -> Beide Methoden!

Für Administratoren, die wissen möchten, wann der Google Bot Ihre Systeme unter Last setzt, welche Files wie häufig ausgeliefert werden und welche Fehler dabei entstehen ist die Logfileanalyse hilfreich.

Für Online-Marketing, eCommerce und andere businessorientiere Fragestellungen, bei denen der Benutzer bzw. Kunde und sein Verhalten im Mittelpunkt steht, ist Tagging das Mittel der Wahl. Selbst Benutzer oder besser Browser hinter einem Proxy können mit dieser Methode sehr gut aufgelöst werden, da die Zählung der User mit einem Cookie erfolgt und nicht wie bei der Logfile Analyse anhand der IP Adresse.

Kurz:
Geht’s um den User, dann messen Sie nahe beim User (Tagging Methode)
Geht’s um den Server, dann messen Sie nahe beim Server (Logfile Analyse)

3 Gedanken zu „Logfile Analyse oder Tagging?

  1. Zwei Aspekte wurden im Artikel leider komplett vernachlässigt: Die Privatsphäre des Nutzers und die Problematik von Cookies. Jedem Nutzer auf jeder Webseite ein Cookie unterzujubeln, halte ich für (a) problematisch, (b) nutzerunfreundlich und (c) evtl. demnächst sogar für rechtlich problematisch. Einem Besucher z.B. eines Museums klebt man ja auch keinen Zettel auf den Rücken, nur um zu sehen, ob er in ner Woche nochmal da ist… Zudem gibt es immer mehr Leute, die (zurecht!) Cookies blockieren und Cookies regelmäßig löschen (z.B. beim Beenden des Browsers) — dies muss bei einer Analyse berücksichtigt werden.

    Deshalb ist für mich Tagging mittels Cookies und/oder JavaScript keine Option.

    1. Es ist wichtig, dass die berechtigten Interessen der Nutzer gewahrt werden.

      Ich denke aber auch, dass gute Webanalyse und der Schutz der Privatsphäre sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.

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